Workshop mit Schwerpunkt auf kommunaler Klimaanpassung

Wie gestalten die Kommunen konkret die Klimaanpassung und welche Hindernisse stehen ihnen im Weg? Dies war der Schwerpunkt eines Workshops, bei dem sich Klimaschutz- und KlimaanpassungsmanagerInnen aus mehreren Kommunen in Kiel trafen, um Erfahrungen auszutauschen und Lösungen zu erarbeiten.

Der Workshop begann mit einer kurzen Vorstellungsrunde, danach wurden die Teilnehmer in kleinere Gruppen aufgeteilt. An jedem Tisch arbeiteten sie mit Kartierungen ihrer Gebiete und einer Reihe von festgelegten Fragen. Mit farbigen Post-its erfassten sie lokale Klimarisiken, bestehende und geplante Klimaanpassungsmaßnahmen sowie Herausforderungen und mögliche Lösungen. Die Gruppenarbeit lieferte ein visuelles und gemeinsames Bild sowohl der Probleme als auch der Fortschritte.

Über alle Gemeinden hinweg zeichnete sich ein klares Bild ab, dass Klimarisiken lokal variieren, jedoch häufig in einige übergreifende Kategorien fallen. Es wurden Herausforderungen im Zusammenhang mit der Infrastruktur in der Nähe von Seen sowie Auswirkungen durch Grundwasser und Starkniederschläge aufgezeigt. In einer anderen Gemeinde stellen Hitze und Überschwemmungen sowohl durch die Ostsee als auch durch den Fluss Trave zentrale Risiken dar. Andere Gemeinden hoben ähnliche Problemstellungen hervor. Einige befassen sich sowohl mit Überschwemmungen als auch mit Hitze, während andere unter anderem mit Sturmfluten, Starkregen, Dürre und steigendem Grundwasserspiegel konfrontiert sind. In mehreren Fällen wurden ganze Stadtgebiete als gefährdet eingestuft.

Die Maßnahmen reichen von technischen Lösungen hin zur Bürgerbeteiligung

Die Teilnehmer stellten eine breite Palette von Maßnahmen zur Klimaanpassung vor. An einigen Orten befinden sich die Bemühungen noch in einem frühen Stadium, während andere bereits konkrete Lösungen umgesetzt haben. Zu den Beispielen zählten unter anderem mobile Deiche sowie naturbasierte Lösungen wie Regenwasserrückhaltung und die Wiedervernässung von Niederungen. Darüber hinaus wurden Dach- und Fassadenbegrünung sowie die Aufwertung urbaner Räume durch blau-grüne Lösungen thematisiert. Mehrere Gemeinden betonten auch, wie wichtig es ist, die Bürger direkt einzubeziehen. Initiativen wie Informationskampagnen, Veranstaltungen und geführte Radtouren wurden genutzt, um die Klimaanpassung sichtbar zu machen und aufzuzeigen, was jeder Einzelne beitragen kann.

Finanzen, Struktur und Kommunikation

In allen Gruppen herrschte Einigkeit darüber, dass die Arbeit im Bereich der Klimaanpassung häufig auf erhebliche Hindernisse stößt. Die Finanzierung wurde als eine durchgängige Herausforderung genannt, sowohl im Hinblick auf große Infrastrukturprojekte als auch auf allgemeine Haushaltsbeschränkungen der Kommunen. Darüber hinaus wiesen die Teilnehmer auf strukturelle Herausforderungen wie komplexe Schnittstellen, Hierarchien und langwierige bürokratische Prozesse hin. Unklare Rollen und Zuständigkeiten sowie starre Strukturen können die Umsetzung verzögern oder verhindern. Auch die Kommunikation wurde als zentrale Herausforderung hervorgehoben. Die Klimaanpassung wird oft als abstrakt empfunden, und der Unterschied zwischen ihr und dem Klimaschutz ist nicht immer klar – weder für Bürger noch für Entscheidungsträger. Gleichzeitig kann Wissen zwischen den verschiedenen Verwaltungen und beim Übergang auf die politische Ebene verloren gehen.

Eine frühzeitige Beteiligung und klare Kommunikation

Trotz der Herausforderungen haben die Teilnehmer auch auf eine Reihe konkreter Lösungen hingewiesen. Eine professionelle und zielgerichtete Kommunikation, insbesondere mit Fokus auf positive Botschaften und konkrete Ergebnisse, wurde als entscheidend hervorgehoben. Die frühzeitige Einbeziehung aller relevanten Akteure, darunter Politiker, Bürger und Interessengruppen, wurde ebenfalls als Lösung identifiziert. Gleichzeitig ist die Zusammenarbeit über Gemeindegrenzen und Ebenen hinweg wichtig, um Wissen und Erfahrungen auszutauschen. Mehrere Teilnehmer betonten die Notwendigkeit, die Rollen der Klimaschutz- und Klimaanpassungsmanagern in den Organisationen zu stärken und zu verankern, um Kontinuität und Rückhalt zu gewährleisten.

Unternehmen und Lösungen

Im nächsten Teil des Workshops richtete sich der Fokus auf die Zusammenarbeit zwischen Kommunen und Unternehmen im Bereich der Klimaanpassungslösungen. Dabei wurde deutlich, dass der Prozess häufig intern in der Kommune oder im Dialog mit Beratungsunternehmen beginnt, bevor Politiker und gegebenenfalls die Öffentlichkeit einbezogen werden. Die Teilnehmer nannten Netzwerke, Veranstaltungen und eigene Studien als wichtige Wege zur Lösungsfindung.

Eine zentrale Botschaft lautet, dass der Austausch und der kontinuierliche Dialog zwischen allen Interessengruppen und relevanten Akteuren entscheidend für eine erfolgreiche Klimaanpassung sind

Martin Thusen

Gleichzeitig wurde betont, dass die Kommunikation objektiv, lösungsorientiert und auf Zusammenarbeit basieren sollte. Es besteht zudem Bedarf an besserem Timing und der Nutzung sich bietender Möglichkeiten (sogenannter Gelegenheitsfenster), um Projekte voranzubringen. Mit Blick auf die Zukunft wurden eine stärker zielgruppenorientierte Kommunikation, eine klare Aufgabenteilung und eine bessere Nachverfolgung gefordert.

Die Anpassung an den Klimawandel als langfristige Aufgabe

Der Workshop hat deutlich gezeigt, dass die Anpassung an den Klimawandel keine einmalige Angelegenheit ist, sondern eine langfristige Aufgabe ist, die kontinuierliche Aufmerksamkeit erfordert. Zu den wichtigsten Empfehlungen zählten die Stärkung von Netzwerken, die Verbesserung des Wissensaustauschs sowie die Sensibilisierung durch verstärkte Kommunikation und Information.

Gleichzeitig wurde betont, dass ungeklärte Eigentumsverhältnisse und fehlende Finanzmittel weiterhin wesentliche Hindernisse darstellen.

Insgesamt vermittelte der Workshop ein nuanciertes Bild sowohl vom Stand als auch von den Herausforderungen der kommunalen Klimaanpassungsmaßnahmen – und wies darauf hin, dass der weitere Weg in hohem Maße von Zusammenarbeit, Kommunikation und langfristiger Verankerung abhängt.

„Eine zentrale Botschaft lautet, dass der Austausch und der kontinuierliche Dialog zwischen allen Interessengruppen und relevanten Akteuren entscheidend für eine erfolgreiche Klimaanpassung sind. Als Mitarbeiter im Bereich Klimaanpassung oder als Lösungsanbieter kann man nicht einfach hinter dem Schreibtisch sitzen und die Umsetzung einer Lösung planen. Man muss verschiedene Wege beschreiten, offen sein, kommunizieren und andere in ein großes Netzwerk einbeziehen – bereits in den frühen Phasen und auf dem gesamten Weg hin zur besten Lösung. Das mag vielleicht nicht immer als der effizienteste Prozess erscheinen, aber letztendlich ist es der wirkungsvollste“, erklärt Martin Thuesen von Corolab, der gemeinsam mit der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel den Workshop mitorganisiert hat.